Das Buch und sein Cover

Man soll ein Buch bekanntlich nicht nach seinem Cover beurteilen. Es zählen die ›inneren Werte‹. Dem kann ich als Autor nur zustimmen. Ein Buch ist so viel mehr als nur sein Cover. Ein Buch ist eine ganze Welt und es gilt sie zu entdecken.

Als Coverdesigner weiß ich aber auch, dass das Cover wie ein Fenster in diese Welt ist. Oder wie eine Tür. Es offenbart den ersten Blick ins Buch, es ist die Tür, die wir öffnen müssen, wenn wir das Buch aufschlagen, um einzutauchen.

Ein Cover zeigt nicht alles. Dafür ist es auch gar nicht gedacht. Es gibt nicht einmal immer die Wahrheit wieder. Genau wie ein Fenster in einem Haus nur einen kleinen Ausschnitt des Alltags im Inneren zeigt. Genau wie das Äußere eines Menschen nur eine Momentaufnahme seiner selbst ist.

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Äußere Umstände können dem Einband des Buches zusetzen, ohne dessen Inhalt zu gefährden. Ein unglücklich gestaltetes Cover kann einen Leser davon abhalten, dem Inhalt eine Chance zu geben. Genauso wie das Äußere eines Menschen andere davon abhalten kann, sein Inneres kennenzulernen. Wer sich von einem weniger ansprechenden Cover nicht abschrecken lässt, kann vom reichhaltigen Inhalt positiv überrascht werden. Ebenso wie ein schönes Cover den Betrachter in die Irre führen kann. Natürlich können die Cover auch passen und ein weniger schönes Cover umfängt auch keinen schönen Inhalt. Aber was ist schlimmer für einen Menschen, der offen für neue Geschichten ist: Aus einem voreiligen Urteil heraus eine großartige Geschichte zu verpassen oder aus Offenheit auch mal eine weniger spannende Geschichte ergattern?

Wenn ich in Facebook und anderen Plattformen der Social Media Welt wieder und wieder lese „Man sollte ein Buch nicht nach seinem Cover beurteilen“ oder „Ich suche meine Bücher nie nach dem Cover aus“ oder „Das Cover ist doch völlig egal“, dann frage ich mich immer, wie ehrlich diese Menschen zu sich selbst sind. Und ich frage mich, wo diese ehrenhaften, so unerschütterlich gutmütigen Menschen in der realen Welt sind. Denn in der realen Welt sehe ich in Buchhandlungen extrem selten schlechte Cover und auch Mitmenschen mit einem eher ›unglücklichen Cover‹ werden auf der Straße von anderen gemieden. Das ist die Erfahrung, die ich tagtäglich mache. Eine Erfahrung, bei der ich mich ehrlicherweise auch selbst oft erwische.

Als Coverdesigner habe ich den Anspruch, gute Cover für gute Bücher zu machen, damit sie von möglichst vielen Menschen gelesen werden. Aber als Autor weiß ich, dass ich auch Büchern mit einem schlechteren Cover eine Chance geben sollte. Die Bücher beispielsweise, die besonders mitgenommen und zerlesen aussehen, sind die mit den spannendsten Geschichten. Nur Bücher, die niemand in die Hand nimmt, tragen keine Spuren mit sich. Ich glaube, beim Menschen ist das ebenso und ich glaube, wir können gerade von den Geschichten derjenigen profitieren, die durch das Leben gezeichnet sind.

Man soll ein Buch nicht nach seinem Cover beurteilen.

Vielleicht ja doch. Aber anders.

Erstaunlich, wie dieser Gedanke sowohl auf Bücher als auch auf Menschen passen. Vielleicht ja, weil beide Geschichten und Leben enthalten… Geheimnisse, die wir lüften wollen.

In diesem Sinne hoffe ich, dass Eure dritte Adventswoche besinnlicher verläuft als meine und ihr den einen oder anderen Blick am ›Cover‹ vorbei wagt.

Sincerely

the wingscriber pls sig

Mary Cronos

Autorin, Künstlerin, Podcasterin

Mary ist ein kreatives Chaos in Person. Neben ihrer Autorentätigkeit bietet sie ihren Kolleginnen und Kollegen auch Dienstleistungen wie Coaching und Beratung, Cover- und Werbedesign, Portrait- und Eventfotografie sowie Illustrationen an. 2019 startete sie darüber hinaus ihren Kreativpodcast Carpe Artes und zum 1.1.2020 Fakriro – die Messebühne für Selfpublisher.

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