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Category: Sunday Thoughts

Unendlich viel Leben

by Mary Cronos

Nach so viel Information, auch mal wieder etwas Nachdenklichkeit. Vielleicht kommt Euch ja das eine oder andere bekannt vor…

 

„Oh man, muss das sein? Ich hab gerade für eine Stunde unendliche Leben!“, hörte ich mich neulich sagen und musste direkt den Kopf über mich selbst schütteln.

Die Autorin in mir fragte sich, welcher Sinn hinter der Aussage „eine Stunde unendliche Leben“ stecken sollte. Die Theologin in mir fragte sich, wieso mir die unendlichen Leben in einem Spiel wichtiger sind als eine Stunde in meinem endlichen Leben.

Mal ehrlich. Ab und an lebe ich mein Leben, als hätte ich noch vier weitere Herzchen oben in meiner Menüanzeige, die automatisch meine verkorksten Lebensversuche wieder neu starten – ab dem letzten Speicherpunkt natürlich. Schließlich mache ich ja Backups.

In den letzten Wochen ist mir unglaublich viel Gutes widerfahren, während um mich herum Schicksalsschläge mir wichtige Menschen trafen. Und ich frage mich unweigerlich: Wann dürfen diese lieben Menschen wieder aufatmen – und wann kommt mein nächster Schlag?

Unser Leben hat eben kein Backup in einer Cloud, keinen Resetbutton und keine Ersatzleben – weder können uns unsere Freunde welche schicken, noch können wir sie dazukaufen. Wir haben nur dieses eine Leben und gehen All In. Aber wenn der Einsatz so hoch ist, sollten wir dann nicht auch so spielen?

Wenn James Bond im Kasino sitzt, alles auf eine Karte setzt und ihm zugleich ein Revolver unterm Tisch in die Rippen gedrückt wird, dann kommt das doch dem realen Leben relativ nah. Wenn wir in der Metapher des Spiels bleiben. Er spielt um sein Leben und das tun wir doch alle.

Wir wollen doch nur spielen. Und wir wollen gewinnen.

Einmal.

Das eine, entscheidende Mal.

Immer wieder.

Damit wir in ein neues Level aufsteigen. Ein Level, in dem alles besser ist – glauben wir. Aber jedes höhere Level bringt nicht nur mehr Power und Fähigkeiten, sondern auch einen stärkeren Levelgegner, härtere Rätsel und schwierigere Hindernisse.

Leben, das ist nicht das Ziel. Leben, das ist das Spiel. Und plötzlich ergibt die Weisheit einen Sinn: Der Weg ist das Ziel.

Wir nehmen an diesem Spiel, das Leben heißt, teil. Jeder Zug ist wichtig und doch lernen wir die Regeln erst nach und nach. Niemand hat sie uns vorher erklärt. Jede Chance und jeder Moment sind einmalig; etwas, das in der Art nie wiederkehrt. Also sollten wir das Beste daraus machen und nicht der Chance hinterhersehen und winken. Oder?

Was ab und an fehlt, sind Konzentration und Motivation. Und Power. Als würden wir ab und an gern auf die Pausetaste drücken wollen. Wir sind müde und unkonzentriert, aber unser Spiel läuft und läuft. Ein Stop ist nicht drin. Aber unsere Spielgeschwindigkeit können wir etwas anpassen. Auch wenn uns das vielleicht langsamer macht.

Wir sehen, wie andere Schummeln und ärgern uns. Wie unfair! Warum kommt der damit durch? Aber im Grunde ist es doch eigentlich egal. Jeder hat sein eigenes Spiel und wir liefern uns kein Wettrennen. Der Blick auf das eigene Spielfeld offenbart: unser Spiel ist ein anderes. Und wenn wir schon den anderen beim Spielen zusehen, sollten wir versuchen, dadurch in unserem eigenen besser zu werden. Und wer weiß: vielleicht ist unser Spiel auch ab und an für den Multiplayermodus geeignet.

Kennt den noch jemand? Oldschool mit Netzwerkkabel und Co?

Die ersten Multiplayergames waren ein echtes Highlight. Mein Favorit damals: Pokemon. Und nur, wenn man auch für Freunde gezielt Pokemon gefangen hat oder sich zu zweit einem Gegner gestellt hat, konnte man wirklich alle Aufgaben meistern und alle Pokemon fangen.

Vielleicht ist das ja in unserem Leben auch so. Manche Aufgaben sind nur im Teammodus lösbar. Andere sind im Team zumindest schneller zu meistern. Wir spielen unser eigenes Spiel, lernen unsere eigenen Regeln, aber manchmal sind unsere Spiele mit denen anderer kompatibel.

Das gilt es herauszufinden.

Ich habe das Glück, Freunde in meinem Leben zu haben, die meine Gedanken zuende denken und umgekehrt. Wir sind so kompatibel, dass wir offenbar die gleichen WiFi-Wellen haben. Wenn ihr auch solche Menschen in eurem Leben habt, dann hütet sie wie einen Schatz. Denn zwei Spiele zu finden, die miteinander so gut funktionieren, dass beide Spieler eine Verbesserung davon tragen, ist selten. So selten wie euer Leben selbst.

Ihr wisst schon, das endliche.

Ohne Ersatz und Reset.

In diesem Sinne: Carpe Diem! Nutze den Tag! Mach was aus dem Spiel, in dem du alles auf Sieg gesetzt hast.

Sincerely

Eine spontane „Predigt“

by Mary Cronos

Eine liebe Leserin fand gestern heraus, dass ich eigentlich Theologin bin und hat prompt angekündigt, zu meiner ersten Predigt kommen zu wollen. Nun, für die ist sie leider deutlich zu spät dran. Aber ihre Worte ließen mich ins Grübeln kommen.

Predigen, was ist das eigentlich?

Für die meisten da draußen handelt es sich wohl um einen eher negativ konnotierten Begriff. Jedenfalls außerhalb der Kirchenmauern (unter den regelmäßigen Sonntagsgäste einer Kirche fällt das Urteil hoffentlich positiver aus)…

»Eine Gardinenpredigt halten«

»Wasser predigen und Wein trinken«

»Ja, ja, du predigst mir das ja täglich«

Eine Predigt, das ist für viele der Inbegriff für Langeweile, Scheinheiligkeit und ›gut gemeinte Ratschlägen‹.

Warum ist das so? Verbinden wir die Figur auf der Kanzel mit demjenigen, der mit erhobenem Zeigefinger »Du, du, du« sagt, obwohl wir ihn für Weltfremd halten?

Ja, heute vielleicht. Und vielleicht auch ab und an zu Recht. Aber diese Redewendungen sind älter. Sie stammen doch eher aus einer Zeit, in der Glauben noch ›in‹ war.

Warum also das harte Urteil?

Die Gardinenpredigt war die Zurechtweisung des Ehemanns durch seine Frau – aber im Privaten, hinter den Gardinen des Ehebetts (das waren damals noch ›Himmelbetten‹), so dass der Mann nicht öffentlich bloßgestellt wurde. Da ging es also nicht um das Bloßstellen oder Schlecht Machen des Partners, sondern um das Aufzeigen von Problemen in einem geschützten Rahmen. Also die nette Version der Standpauke.

Wasser predigen und Wein trinken … Das stammt von Heinrich Heine. Menschen sind fehlbar. Egal ob sie predigen oder nicht. Und gerade dann, wenn man von ihnen erwartet, es nicht zu sein. Wenn man bedenkt, dass Jesus in der Bibel aus Wasser Wein gemacht hat, ist die Metapher eigentlich anders herum treffender. Man könnte es positiv doch auch so ausdrücken: Gottes Wort macht aus dem Wasser eines mittelmäßigen Predigers und wenig vorbildlichen Menschen Wein für die Hörer seiner Predigt.

Und das Predigen des »Du, du, du« mit erhobenem Zeigefinger? Ich denke, unbequem zu sein, ist eine der Hauptaufgaben einer guten Predigt. Die Wahrheit ist selten bequem und am meisten zwickt sie ihren Hörer, wenn der genau weiß, dass es sich um die Wahrheit handelt.

»Ich predige dir ständig, nicht so schnell zu fahren!«

Meist geht es um Verbote, oft im ›Ich habs Dir ja gesagt‹-Stil hinterher. Sie sind gut gemeint. Meistens. Aber hören wollen wir sie trotzdem nicht.

So wie eine gute Predigt sind solche Ermahnung wie ein Spuk im Kopf, ein Mindfck. Man wird den Gedanken daran nicht mehr los. Meistens liegt das daran, dass man irgendwo in seinem Hinterkopf weiß, dass das Gegenüber recht hat. Dass man wirklich zu schnell gefahren ist – sonst wäre der Unfall wahrscheinlich glimpflicher ausgegangen.

 

Aber bis hierhin habe ich das Bild der Predigt nur mittels sprachlicher Phrasen und Vorurteile definiert. Ja, Predigt soll ermahnen, den Finger auf die richtige Stelle legen. Aber sie soll genauso auch ›erbauen‹, wie es so schön heißt. Also Kraft schenken, einen wieder aufbauen, helfen, sich wieder aufzurichten.

Genaugenommen soll sie jedem Hörer genau das geben, was er braucht. Sei es eine helfende Hand, ein ermutigendes Lächeln – oder ein Tritt in den Allerwertesten.

Im Grunde ist eine Predigt damit nichts anderes als die ›private Standpauke‹ – die Gardinenpredigt eben – oder das Schulter Klopfen Deines besten Freundes. Eines Menschen, der Dich mindestens so gut kennt, wie Du Dich selbst. Übrigens etwas, das ein gläubiger Mensch auch Gott nachsagt.

Dem Prediger natürlich nicht.

Es sei denn, er ist dein bester Freund. Das kann vorkommen. 🙂

Wenn ich auf meinem Blog also wieder Sonntagsgedanken und Moralpredigten zum besten gebe und bei dem einen oder anderen vielleicht etwas am Herz oder Hirn kratze, dann überlegt, was ich wohl erreichen wollte. Keine Ahnung, ob ich etwas anderes predige, als ich lebe. Ich hoffe es nicht. Aber dieses Urteil müsst ihr fällen. Mein Wunsch aber ist, das Wasser meiner Worte in Wein für Eure Seele zu verwandeln. Und ab und an den Spiegel vorzuhalten – und sei es nur, damit ihr Euch und Eure Herausforderungen mal aus einer anderen Perspektive betrachtet.

Was habe ich mich am Anfang dieser »Predigt« (die sich in diesem Moment langsam zu einem Roman entwickelt – in diesem Fall auch nicht sehr positiv konnotiert) gefragt?

Was bedeutet Predigen?

Um gut zu predigen muss man »den Leuten aufs Maul schauen«, das hat schon Luther gewusst. Die Sprache der Hörer kennen. Der Leser. Das ist auch für einen Autor wichtig. Für jeden, der eine Botschaft hat, die gehört und gelesen werden will. Und wenn wir unserem Gegenüber aufs Maul geschaut haben, dann sollten wir danach am besten durchs Ohr, mit Abstecher zum Großhirn direkt ins Herz treffen.

Ob das immer klappt, das sei dahingestellt. 🙂

Sincerely

Etwas Optimismus bitte

by Mary Cronos

Jedes Mal, wenn ich die Nachrichten sehe oder eine Dokumentation, schelte ich mich dafür, nicht dankbar genug zu sein. Nicht alles in meinem Leben läuft rund. Und mir würde sofort jede Menge einfallen, dass mir zu schaffen macht. Und doch. Ist das nicht klagen auf hohem Niveau?

Es gibt genug schlechte Nachrichten auf der Welt. Genug, das uns den Tag verderben kann. Vielleicht ist es an der Zeit, auch etwas Gutes in die Welt hinaus zu rufen. Zu überlegen, was gut ist, was gelingt, was funktioniert, obwohl es eben nicht selbstverständlich ist. Ich habe lange keinen Sonntagsgedanken mehr geschrieben und vielleicht ist es mal wieder Zeit dafür.

Ich habe mir nun jedenfalls das Ziel gesetzt, positiver auf mein Leben zu sehen. Und dazu gehört aktuell meine Heimat Berlin. Gerade von Xaver ordentlich auf den Kopf gestellt, gescheitert im Öffi-Verkehr und regelmäßig in den Nachrichten für all das, das hier nicht funktioniert, nicht fertig gebaut wird, nicht so ist, wie es sein soll. Berlin ist laut, unfreundlich und eine permanente Baustelle? Ich finde, Berlin ist lebendig, ehrlich und der Inbegriff von Wandel und Erneuerung. Ich mag diese so andere Weltstadt. Ich mag es, ihren Puls zu fühlen. Berlin ist eine Stadt der Gegensätze. Alt und modern, laut und leise, grün und bebaut. Vom gläsernen Riesen Sonycenter kann man das alte Brandenburger Tor sehen. Vom Berliner Dom ist es nur ein Katzensprung zum Fernsehturm. Kirchen, Synagogen und Moscheen sind Oasen der Ruhe im Trubel der Großstadt. Auf jeden Betonklotz kommt ein ebenso großer Park, Wald oder See. Ich liebe es, wie man im Brustton der Überzeugung von Müggelbergen, Teufelsberg und Kienberg spricht – auch wenn ab dem Harz abwärts niemand in diesen „Bergen“ auch nur Hügel sehen würde. Ich mag die Schlagfertigkeit von Busfahrern und die Allwissenheit der Taxifahrer. Ich mag die Musiker in den Ubahnen, die den Soundtrack zu meinem Alltag spielen, und den Laierkastenspieler, der mich beim Heimkommen in Köpenick empfängt. Ich genieße es, nur mit einem BvG-Ticket eine Weltreise machen zu können, weil jeder Stadtteil wie eine ganz eigene Stadt in einem eigenen Land ist. Wie jeder Kiez so unglaublich individuell ist – wie eine eigene Welt.

Berlin ist ein ganz besonderer Flecken Erde mit ganz besonderen Menschen. Geradeheraus. Stur. Humorvoll – wenn man den gleichen Humor hat. Ich bin dankbar, hier zu sein. Ich bin dankbar für den täglichen Wahnsinn, der sich hier Alltag nennt. Ich bin dankbar für das Leben, das mich hier umwirbelt, ohne an mir Anstoß zu nehmen. Ich bin dankbar für all die Originale, die mein Leben und damit auch meine Geschichten bereichern – einfach nur, weil sie mir begegnen. Fremde werden zu Fremden mit Lebensgeschichten und manchmal sogar zu Freunden.

Berlin, ick liebe Dir.

Sincerely

Autoren, die Erschaffer neuer Welten

by Mary Cronos

Ein etwas anderer Sonntagsgedanke…

Der Autor als Lebensform ist ein höchst kurioses Wesen. Primär von Kaffee und Schokolade am Leben erhalten, existiert er zwischen den Welten. Es sind nicht nur zwei Welten, es sind unzählige. Wo andere Erdenbürger eine Tasse Kaffee oder vielleicht noch ein ihr Leben rettendes Elixier sehen, erkennt der Autor so viel mehr: mögliche Giftmorde, da das herbe Aroma des Kaffees den bitteren Geschmack von Zyankali überdeckt; Szenen von Menschen, die bei Kaffee beieinandersitzen, um dem ungastlichen Wetter jenseits der beschlagenen Gasthausfenster zu entfliehen; oder die Unergründlichkeit des schwarzen Gebräus, das in so vielen Dinger der Finsternis seiner Seele gleicht.

Autoren sind Schöpfer und Zerstörer, Interpretatoren und Selbstdenker, sie sind Meister der Illusion und Irreführung, der Leidenschaft und Verführung, des Mordens und des Tröstens. Ein Blick in ihre Internethistorie ruft schneller den Verfassungsschutz auf den Plan als jeder Terrorist und kaum ein anderer Mensch hat so viele unterschiedliche und irreführende Interessen – vom Schießtraining bis zum Ikebana, von Grundlagen des Medizinstudiums bis zu Botanik.

Autoren leben zwischen den Welten. Schon die Welt aller anderer Lebewesen ist für sie eine andere, eine buntere. Aus jedem harmlosen Detail können sie im Nu eines Augenaufschlags eine neue Welt erschaffen. Sie brauchen keine sieben Tage, sie brauchen sieben Seiten. Sie schaffen Gut und Böse, böses Gute und gutes Böse. Sie schaffen Schwarzweißwelten, die Vorurteile auf den Kopf stellen und Graustufen mischen. Sie schaffen graue Welten und malen sie bunt. Sie malen Welten wie Ölgemälde, so weit, verträumt und farbenfroh. Sie lassen Welten wie in einem Blitzlicht aufleuchten, hinterlassen Nachbilder in unseren Köpfen. Nachbilder, die dem Leser einen kurzen, leuchtenden Einblick in ihre Welten verschaffen. Ölgemälde, die noch lange in seinem Geist verweilen werden, ihn prägen und verwandeln.

Keine Macht ist größer als die des geschriebenen Wortes. Kein Zauber größer als der Bann des ›Nur noch ein Kapitel‹. Wie Leser gezwungen sind, immer mehr und mehr zu lesen, zu verschlingen, zu inhalieren; so sind Autoren dazu gezwungen, ihre Welten preiszugeben, hinauszuschreien, festzuhalten. Autoren leben zwischen den Welten. Den Welten, die sie erschaffen. Sie sehen die Welt bunter, sie sehen die Welt größer, sie sehen eine neue Welt im Schatten eines Staubkorns.

Sincerely

Vom Leben gezeichnet

by Mary Cronos

Heute habe ich nur einen ganz kurzen Sonntagsgedanken für Euch.

Kurz, aber dafür nicht unbedingt leicht zu schlucken.

Es heißt oft, ein Mensch sei vom Leben gezeichnet.
Ich glaube, das stimmt nicht ganz.
Das Leben gibt uns Farben an die Hand, um uns, um unsere Leinwand bunt zu machen… zu bemalen und zu bezeichnen. Das Leben gibt uns Farben vor… vielleicht sogar Motive. Aber es zwingt uns nicht. Es zeichnet uns nicht. Wir sind keine passiven, willenlosen Leinwände. Wir sind unser eigenes Kunstwerk und unsere eigenen Künstler.
Ließe man alle Künstler der Geschichte das gleiche Motiv malen… erzählte ihnen dazu die gleiche Geschichte… so würde es doch jeder völlig anders malen. Der eine grell und dramatisch, der nächste verworren und verspielt, der dritte möglichst realistisch und dabei doch genauso subjektiv. Ein und dieselbe Erfahrung kann völlig unterschiedliche Reaktionen und Erkenntnisse mit sich bringen.
„Das Leben“ oder „das Schicksal“ im Allgemeinen zum Grund für die eigene Situation zu erklären, ist eine recht… entspannte Lösung. Denn es sagt, dass man keine Wahl hatte, dass es eben so kommen musste. Unsere Vergangenheit ist im Rückblick eine Erklärung für unser Handeln. Aber es ist im Vorab keine Bedingung. Als ich meine Gedanken dazu mit einer lieben Freundin teilte, stimmte sie nachdenklich zu und gab mir ein Beispiel, das es in sich hat: Zwei Schwestern haben eine Mutter mit einem starken Alkoholproblem. Die eine Schwester wächst auf und beginnt irgendwann, ebenfalls zu trinken. Wann immer sie darauf angesprochen wird, sagt sie „Wie könnte es anders sein? Schon meine Mutter hat getrunken. Es musste so kommen“. Die andere Schwester wächst heran und trinkt niemals zu viel und generell nur selten, weil sie niemals so enden will wie ihre Mutter. Für beide liegt die Erklärung in der Vergangenheit. Aber beide gehen vollkommen unterschiedlich damit um.
Das ist ein hartes Beispiel, denn so wie in dieser Geschichte, gibt es im Leben Herausforderungen, die das Potential haben, uns zu zerstören. Aber „Potential“ meint kein Muss. Unsere Vergangenheit schreibt uns nicht unsere Gegenwart vor und erst recht nicht unsere Zukunft. Unsere Vergangenheit schafft Erfahrungen in uns und wir sind es, die diese Erfahrungen bewerten müssen – um daraus zu lernen, um daran zu wachsen, um immer besser zu werden.

Das Leben zeichnet uns nicht. Es stellt die Voraussetzungen und die Umgebung für das Bild, das wir selbst von uns zeichnen.
Unser vergangenes Leben ist unsere gegenwärtige Inspiration beim zeichnen unserer Zukunft.
mc.

Sincerely

Frohe Weihnachten

by Mary Cronos

Um Euch nicht noch länger auf ein Wort von mir warten zu lassen, nur ein kurzes.

weihnachtsgruss-sIch wünsche Euch allen ein frohes Weihnachtsfest! Genießt die Festtage, verbringt so viel Zeit wie möglich mit den Menschen, die Euch wichtig sind. Egal wie viel Weihnachtsstress um Euch herum herrscht und wie viel Ihr eigentlich noch erledigen müsst, denkt immer daran, dass nichts so wenig selbstverständlich ist wie Zeit mit geliebten Menschen. Wir mussten gerade erst lernen, wie schnell Menschen aus dem Leben gerissen werden können, wie schnell sie nicht mehr unmittelbarer Teil unseres Alltags sind. Nutzt die Zeit. Genießt sie. Genießt jeden Augenblick mit denen, die Euch gut tun und denen Ihr gut tut. Lasst den verbrannten Kuchen verbrannten Kuchen sein… packt die letzten Geschenke etwas schluderiger ein… aber nehmt Euch dafür die Zeit, einander in den Arm zu nehmen und Euch gegenseitig zu versichern, wie wichtig Ihr einander seid. Das ist so viel wichtiger, als alle Geschenke und stressigen Vorbereitungen. Gesegnete Weihnachten!


This time only a short Christmas-Message – but in two languages 🙂

I’m wishing everyone a happy merry Christmas! Enjoy these holidays, use your freetime to be with those people, that are important to you. Don’t care about your xmasbussiness, about the cake or presents… Focus on what really matters: Your beloved ones. Don’t take them for granted. In Berlin we realized one more time that they aren’t in these days. Use your time wisely – not for big xmas preparations or things like that. Use them to give your beloved ones a long and warm hug and tell them how much you love them. This will be the only present that matters. Blessed Christmas to everyone!

Sincerely

the wingscriber pls sig

Das Buch und sein Cover

by Mary Cronos

Man soll ein Buch bekanntlich nicht nach seinem Cover beurteilen. Es zählen die ›inneren Werte‹. Dem kann ich als Autor nur zustimmen. Ein Buch ist so viel mehr als nur sein Cover. Ein Buch ist eine ganze Welt und es gilt sie zu entdecken.

Als Coverdesigner weiß ich aber auch, dass das Cover wie ein Fenster in diese Welt ist. Oder wie eine Tür. Es offenbart den ersten Blick ins Buch, es ist die Tür, die wir öffnen müssen, wenn wir das Buch aufschlagen, um einzutauchen.

Ein Cover zeigt nicht alles. Dafür ist es auch gar nicht gedacht. Es gibt nicht einmal immer die Wahrheit wieder. Genau wie ein Fenster in einem Haus nur einen kleinen Ausschnitt des Alltags im Inneren zeigt. Genau wie das Äußere eines Menschen nur eine Momentaufnahme seiner selbst ist.

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Äußere Umstände können dem Einband des Buches zusetzen, ohne dessen Inhalt zu gefährden. Ein unglücklich gestaltetes Cover kann einen Leser davon abhalten, dem Inhalt eine Chance zu geben. Genauso wie das Äußere eines Menschen andere davon abhalten kann, sein Inneres kennenzulernen. Wer sich von einem weniger ansprechenden Cover nicht abschrecken lässt, kann vom reichhaltigen Inhalt positiv überrascht werden. Ebenso wie ein schönes Cover den Betrachter in die Irre führen kann. Natürlich können die Cover auch passen und ein weniger schönes Cover umfängt auch keinen schönen Inhalt. Aber was ist schlimmer für einen Menschen, der offen für neue Geschichten ist: Aus einem voreiligen Urteil heraus eine großartige Geschichte zu verpassen oder aus Offenheit auch mal eine weniger spannende Geschichte ergattern?

Wenn ich in Facebook und anderen Plattformen der Social Media Welt wieder und wieder lese „Man sollte ein Buch nicht nach seinem Cover beurteilen“ oder „Ich suche meine Bücher nie nach dem Cover aus“ oder „Das Cover ist doch völlig egal“, dann frage ich mich immer, wie ehrlich diese Menschen zu sich selbst sind. Und ich frage mich, wo diese ehrenhaften, so unerschütterlich gutmütigen Menschen in der realen Welt sind. Denn in der realen Welt sehe ich in Buchhandlungen extrem selten schlechte Cover und auch Mitmenschen mit einem eher ›unglücklichen Cover‹ werden auf der Straße von anderen gemieden. Das ist die Erfahrung, die ich tagtäglich mache. Eine Erfahrung, bei der ich mich ehrlicherweise auch selbst oft erwische.

Als Coverdesigner habe ich den Anspruch, gute Cover für gute Bücher zu machen, damit sie von möglichst vielen Menschen gelesen werden. Aber als Autor weiß ich, dass ich auch Büchern mit einem schlechteren Cover eine Chance geben sollte. Die Bücher beispielsweise, die besonders mitgenommen und zerlesen aussehen, sind die mit den spannendsten Geschichten. Nur Bücher, die niemand in die Hand nimmt, tragen keine Spuren mit sich. Ich glaube, beim Menschen ist das ebenso und ich glaube, wir können gerade von den Geschichten derjenigen profitieren, die durch das Leben gezeichnet sind.

Man soll ein Buch nicht nach seinem Cover beurteilen.

Vielleicht ja doch. Aber anders.

Erstaunlich, wie dieser Gedanke sowohl auf Bücher als auch auf Menschen passen. Vielleicht ja, weil beide Geschichten und Leben enthalten… Geheimnisse, die wir lüften wollen.

In diesem Sinne hoffe ich, dass Eure dritte Adventswoche besinnlicher verläuft als meine und ihr den einen oder anderen Blick am ›Cover‹ vorbei wagt.

Sincerely

the wingscriber pls sig

Erwarte Wunder

by Mary Cronos

Gibt es eigentlich Wunder? Oder ist das nur religiöser, übertriebener, unaufgeklärter Unsinn?

wunder

Ich glaube, es kommt darauf an, was jeder einzelne von uns unter einem Wunder versteht. Am Anfang war das Wort, heißt es ganz biblisch. Also gebe ich das Wort „Wunder“ bei Duden.de ein und lese mir die Bedeutungsübersicht durch: 1. außergewöhnliches, den Naturgesetzen oder aller Erfahrung widersprechendes und deshalb der unmittelbaren Einwirkung einer göttlichen Macht oder übernatürlichen Kräften zugeschriebenes Geschehen, Ereignis, das Staunen erregt 2. etwas, was in seiner Art, durch sein Maß an Vollkommenheit das Gewohnte, Übliche so weit übertrifft, dass es große Bewunderung, großes Staunen erregt 3. in Verbindung mit bestimmten Fragewörtern.

Hm. Recht übernatürlich angehaucht. Und dann auch wieder nicht. Etwas, das unseren Erfahrungen widerspricht. Also beispielsweise ein höflicher Busfahrer in Berlin. Etwas, das das Übliche weit übertrifft und Staunen erregt. Also zum Beispiel eine Frau ohne Arme, die es dennoch schafft, wunderschöne Bilder zu malen. Oder ein Mann ohne Beine, der einen Marathon gewinnt. Etwas, das in Verbindung mit Fragewörtern gedacht wird. Also etwas, das wir nicht kennen, nicht verstehen, bei dem wir nachhaken müssen. Dann sind Wunder also doch auch irgendwie greifbar. Auch für jemanden, der mit einem großen Weltenlenker nichts zu tun haben will.

Ich versuche es mal mit einer eigenen Definition: Wunder sind Dinge, Momente, Menschen, die uns zum Guten hin im richtigen Moment überraschen. Ich gehe so weit zu sagen: Wunder sind kleine und große Zufälle, die unser Leben bereichern und verbessern – Zufälle die nicht einfach so passieren. Zufälle, für die jemand meist hart arbeiten muss – ob man selbst, das Gegenüber oder jemand völlig Fremdes, das sei erst einmal dahingestellt. Wunder sind in dem Sinn Zufälle, dass wir nicht mit ihnen rechnen, dass sie plötzlich einfach passieren. Unvorhersehbar und außergewöhnlich.

Ich arbeite täglich hart daran, irgendwann ruhigen Gewissens von meiner Kreativität leben zu können. Und obwohl ich so hart daran arbeite, empfinde ich jeden Erfolg, jeden Schritt vorwärts als ein unerwartetes Glück, als etwas, das mir Auftrieb verleiht – ein Wunder. Wenn ich morgens in einen Bus steige und während des Fahrkartenverkaufs angelächelt werde, dann widerspricht das allem, was ich in meinem Alltag in Berlin regelmäßig erlebe. Für mich ist das dann ein kleines Wunder. Für den Busfahrer ist es die Überwindung, fremde Menschen anzulächeln, die durch ihn hindurchsehen. Und wenn ich sehe, wie fremde Menschen trotz all ihren Einschränkungen weitermachen und dabei sogar noch an andere denken, dann ist auch das ein Wunder für mich – eines für das diese fremden Menschen täglich wieder hart arbeiten müssen.

Wunder kommen also nicht aus dem Nichts und doch fallen sie uns irgendwie zu. Dann, wenn wir sie brauchen. Ich bin mir beispielsweise sicher, dass es ein Wunder ist, dass ich heute noch lebe. Klingt total übertrieben oder? Ist es aber nicht. Als Kind hatte ich einen schweren Unfall – nicht äußerlich, denn ich hatte keinen Kratzer, aber innerlich. Dass ich damals nicht in kürzester Zeit verblutete und starb, verdankte ich so dermaßen vielen Zufällen, dass ich mit zehn begann, das Wort „Zufall“ mit anderen Augen zu sehen und es Wunder zu nennen. Ein Beispiel? Wie oft kommt wohl der „Defekt“ vor, eine zweite Milz zu besitzen? Praktisch, wenn man sich bei einem Unfall so verletzt, dass die eigentliche Milz fast völlig zerstört ist. Da kann man sich doch nur was? Wundern. Ich jedenfalls habe mich gewundert, gefreut und bin dankbar, noch hier sein zu dürfen. Ist doch wunderbar oder?

Ich weiß nicht, warum es Unglück und Elend auf der Welt gibt. Ich weiß nicht, warum es nicht für jedes Problem das Wunder einer Lösung gibt. Ich weiß, vieles haben wir Menschen der Erde eingebrockt, nicht umgekehrt. Aber nicht alles. Trotzdem komme ich nicht umhin, weiter an Wunder zu glauben. Ich glaube solange an Wunder, wie es Menschen gibt, die daran arbeiten, für andere Wunder zu sein und zu wirken. Und ich will für andere so jemand sein sooft es geht. Und solange es Menschen gibt, die an Wunder glauben, können sie einem auch überall begegnen. Ich finde, das macht Hoffnung.

Erwartet Wunder. Erwartet das Unerwartbare. Gebt die Hoffnung nicht auf, dass alles am Ende gut wird. Denn wenn es noch nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende – das wusste schon Oscar Wilde.

In diesem Sinne: ich hoffe, Eure zweite Adventswoche war wunder-voll. Tut mir leid, dass ich Euch wieder einmal warten ließ. Wenn alles gut geht, mit etwas Glück, bekommt ihr den dritten Adventsgedanken pünktlich übermorgen! Würde Euch das wundern? 😉

Sincerely

the wingscriber pls sig

 

Allem Anfang wohnt ein Zauber inne

by Mary Cronos

Na das fängt ja gut an. Der erste Advent. Der erste weihnachtliche Sonntagsgedanke – und ich poste ihn am Montag. Aber aller Anfang ist schwer. Ich kann schon jetzt prophezeien, dass es am zweiten Advent wohl ähnlich sein wird, denn während des zweiten Advents bin ich auf der German Comic Con in Dortmund (und am Montag dann im Linienbus heim gen Berlin).

img_2960sIch muss also einmal mehr feststellen: Anfangen ist gar nicht so leicht – und ich bin mir sicher, damit erzähle ich niemandem etwas Neues. Es fängt schon am Morgen mit dem Aufstehen an. Ist man erstmal wach und aktiv, ärgert man sich oft über die morgens vertrödelte Zeit. Aber wenn man morgens aufwacht – draußen ist es kalt und dunkel und im Bett so flauschig und warm –, dann will einem das Aufstehen und Anfangen gar nicht einfallen. Mir zumindest geht das meistens so.

Anfangen kostet Mut und Überwindung. Es bedeutet, dass etwas Neues passiert; dass sich etwas verändert; dass das, woran man sich gerade gewöhnt hatte, endet. Traue ich mir den neuen Job zu? Die neue Partnerschaft? Die neue Rolle als Mutter? Anfangen kann uns Angst machen.

Aber wenn uns neue Herausforderungen und Aufgaben Angst machen, dann bedeutet das, dass wir uns unsere Entscheidung nicht leicht gemacht haben, dass wir sie ernst nehmen und sie uns mit all ihren Konsequenzen wichtig ist. Angst zu haben zeigt unsere Prioritäten. Es ist okay, sich vor einem neuen Anfang zu fürchten. Solange wir trotzdem anfangen – und nicht aufhören, bevor wir begonnen haben.

Wie heißt es so schön? Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne. Ich denke, das stimmt. Und ich muss es wissen, denn in meinen Büchern liegt jede Menge Magie verborgen. Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne. Ich glaube, dieser Zauber beschreibt ein Gefühl, einen ganz bestimmten Moment:
Den Augenblick, in dem wir die Augen zukneifen, die Luft anhalten und vom Zehner ins Wasser springen. Der Augenblick, in dem wir uns vom Geländer abstoßen und unsicher, aber mit Schwung auf Kufen übers Eis gleiten. Der Augenblick, in dem wir all den Mut, den wir in uns finden können, zusammenkratzen und den einen Schritt machen, der aus einem Ende einen Anfang macht, der Grenzen und Differenzen überwindet.

Vorher ist da diese bedrohliche Wand aus „Ja, aber“s und „Aber was, wenn“s. Dann merken wir es. Wir merken, dass wir so weit sind und über diese Wand hinwegspringen können. Wir spüren es in unseren Beinen kribbeln und im Rücken zucken. Wir gehen in die Knie und springen ab und noch im Sprung spüren wir den Wind der Veränderung, können über die Wand sehen, sehen die neuen Chancen und Möglichkeiten und wissen: Es ist gut so. Und noch bevor wir wieder landen spüren wir das Glück in uns und den Stolz, dass wir es gewagt haben. Was für eine Gefühlsachterbahn!

Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne: Der Zauber, uns selbst zu überwinden; die Sicherheit der Gegenwart für die Möglichkeiten der Zukunft zurückzulassen; Mut und Entschlossenheit aus uns selbst heraus zu erschaffen, wo vorher Angst war; offen zu sein für das, was nun kommen mag.

Wer hätte gedacht, dass die Weihnachtszeit – die, die eigentlich besinnlich und ruhig sein sollte und stattdessen hektisch und turbulent ist – uns anregen soll, Neues zu wagen? Gerade die Zeit im Jahr, die von Traditionen und einer 2000 Jahre alten Geschichte lebt. Aber die Geschichte, die zu Weihnachten erzählt wird, erzählt eben auch genau das: Da ist ein junges Paar, das am Anfang steht – in so vielerlei Hinsicht. Da sind die Hirten und die Weisen, die ihre eigentlichen Aufgaben hinter sich lassen für etwas Neues, von dem sie noch gar nichts wissen. Immer wieder hören sie alle „Fürchtet Euch nicht“. Sie haben also Angst. Angst vor etwas Neuem, Ungewissen zu haben, ist offensichtlich nichts Neues.

Das wiederum kann doch beruhigen oder? Bei allem Anfangen: Die Angst vor dem Anfangen, vor dem Neuen ist nicht neu. Und trotzdem machen wir weiter. Wir alle tragen den Mut, den Zauber zum Anfangen in uns. Also lasst uns zaubern!

In diesem Sinne: Einen gesegneten ersten Advent, einen gesegneten Anfang der Weihnachtszeit!

Sincerely

the wingscriber pls sig

Wir sind Sonnenblumen

by Mary Cronos

Oder wie der Titel vor vielen Jahren im Original hieß: Regen und Sonne.
Da meine kleine Geschichte am vergangenen Sonntag so gut bei Euch ankam, hab ich nochmal in meinem Büchlein aus Kindertagen geblättert und noch zwei kurze Geschichten oder viel mehr Gedanken daraus ausgesucht. Ich bin gespannt, wie sie Euch gefallen.

2893048966_5041f5b772_oWir sind wie Sonnenblumen. Wir richten unser Gesicht zur Sonne aus, die uns Wärme gibt und auch Geborgenheit. Aber Blumen brauchen auch Regen. Ohne ihn gäbe es weder Wachsen noch Leben.

Wenn er zu hart wäre, könnten unsere Blätter und Blüten zwar knicken, aber ohne ihn erst gar nicht aufblühen. Wir müssen uns unseren Problem, Ängsten und auch Sorgen stellen; sie sind nur Herausforderungen und sie werden uns weiterbringen und groß machen. Wachsen lassen. Auch sonnige Tage sind wichtig, aber gäbe es nur solche, würden wir schnell vertrocknen; aber ohne solche Tage würden wir ertrinken. Wir brauchen beides.

Doch wenn wir im Regen stehen, sollten wir immer nach der Sonne suchen, denn sie ist noch immer da. Sie ist nur versteckt, doch wir können sie trotzdem finden. Sie kann uns wieder von der Nässe der Regenwolken befreien und sie wird uns mit ihren Strahlen trocknen und zum blühen bringen.

Dieser erste Text drehte sich um uns selbst und darum, wie wir unser Leben mit allen Hochs und Tiefs wahrnehmen. Der zweite Text dreht sich um das Miteinander, um die Wahrnehmung unseres Gegenübers und was dabei wirklich wichtig ist.

Hören, Sehen, Fühlen

Wenn man einem Menschen zuhört, ist das nicht der einzige Weg, ihn zu verstehen, sich mit ihm zu unterhalten. Nicht nur mit den Ohren kann man hören. Wir brauchen alle unsere Sinne. Auch Augen können hören und sogar sprechen. Hände können genügen und auch mit den Ohren kann man fühlen, indem man mit ihnen auf die Gefühle anderer lauscht.

Hören, Sehen, Fühlen

Was bedeutet das? Den anderen verstehen, den anderen sehen – in allem was er tut und ist, die Gefühle anderer begreifen. Mit ihnen fühlen. Zu solchem Hören braucht man keine Ohren. Zu solchem Sehen braucht man keine Augen. Zu solchem fühlen braucht man keine Hände. Nur ein Herz, das weit offen ist.

Diese beiden Texte sind zwischen 10 und 15 Jahren alt. Genau kann ich das heute nicht mehr sagen. Ich weiß nur, dass ich mir so selbst Standpauken halten kann und dass das der Beweis ist – für alle, die noch gezweifelt haben: Manchmal sind Kinder schlauer als Erwachsene. Vieles von der Hoffnung und dem Vertrauen, das aus diesem Buch spricht, wurde nach und nach verschüttet und nun rüttelt mein jüngeres Ich mein heutiges wieder auf und erinnert mich daran, wie viel Kraft man aus Hoffnung und Vertrauen ziehen kann. Also unterschätzt nicht Eure Kinder, Enkel, Nichten, Neffen, kleinen Geschwister… Es kann gut sein, dass ihr noch etwas von ihnen lernt – wenn ihr mit einem offenen Herzen zuhört und hinseht und mitfühlt. 🙂

Sincerely

the wingscriber pls sig