„Wir müssen reden.“

Im Zeitalter der Social Media und des Internets im Allgemeinen, die es uns ermöglichen, innerhalb von Sekunden mit Menschen weltweit in Kontakt zu treten, ist Kommunikation einfacher und schwerer zugleich geworden. Die Möglichkeiten sind mannigfaltig und doch scheinen sie nicht immer ausreichend zu sein. WhatsApp und Co sorgen für den ständigen schriftlichen Austausch, Facebook und seine ähnlich kolorierten Freunde informieren uns über den Gesundheitszustand der Haustiere unserer Freunde und den neuesten Tratsch. Wir teilen Posts, liken Bilder, kommentieren Videobotschaften – und wir verteilen all dies selbst. Die Welt war sicher noch nie so transparent wie heute. Und doch fühlen wir uns oft genug unverstanden. Es ist frustrierend, dass unser – uns nicht immer bekanntes – Gegenüber nicht zu verstehen scheint, was wirklich in uns vorgeht.

Wir versuchen Wege zu finden, die Kluft, die im Web zwischen uns und anderen steht, zu überwinden. Manchmal klappt das. Manchmal nicht. Wir alle analysieren und interpretieren, was uns erreicht. … „Hat mein Freund das jetzt ironisch gemeint? Bahnt sich da ein Krach an? Am besten komm ich ihm zuvor und trenne mich zur Sicherheit von ihm, bevor er auf die Idee kommt. Vielleicht per SMS oder heute eher Messanger. Ich will nicht der getretene Hund sein, der sich am Ende wegtrollt.“

Wir gehen auf Nummer sicher. Selbstschutz wird groß geschrieben. Und automatisch vermuten wir hinter jeder Äußerung einen Haken, eine Falle. Aber diese Einstellung macht nicht glücklich, sondern einsam. Ein gesundes Misstrauen – vor allem im anonymen Web – ist ausgesprochen wichtig. Was aber die Menschen angeht, die wir bereits kennenlernen durften, bei denen sollten wir es mal mit Vertrauen versuchen. Vor allem, wenn sich etwas anbahnt. Ein Streit. Dicke Luft… – Und wir merken sowas meistens schnell, auch wenn es nur eine Textnachricht ist, die uns erreicht: Ein „. . .“ oder einfach nur ein Punkt. Ein fehlender Smily. Zu kurze Sätze. Ironie an der Grenze zum Zynismus… Wenn wir uns mit einem Menschen viel unterhalten, dann werden wir auch zu Analytikern seines Schriftbildes. Wir lernen, Kompromisse in unserer Kommunikation zu finden. Worte allein haben dafür schließlich noch nie ausgereicht und irgendwie müssen unsere Textnachrichten „das Defizit um die nonverbale Kommunikation“ ausgleichen. Um Missverständnissen vorzubeugen, nutzen wir Smilies, um nicht nur die Message zu verbreiten, sondern auch unsere Gefühle, die damit einhergehen.  … „Nimm das bloß nicht zu ernst! xD“ … Und wieder gehen wir damit auf Nummer sicher – ohne sicher sein zu können, dass unsere Botschaft korrekt verstanden wurde.16429848241_2b07440b44_z

Dabei können einige wenige Leitsätze helfen, Streit und dicke Luft zu vermeiden. Solltet Ihr das nächste Mal in einen Streit mit einer Person geraten, die eigentlich durchaus Euer Vertrauen und Eure Freundschaft genießt, dann haltet Euch folgendes vor Augen:
1. Du redest mit einem Menschen, der Dich gern hat. Selbst beim größten Krach darfst Du davon ausgehen, dass Dein Gegenüber keine bösen Absichten hegt.
Wenn man sich unverstanden fühlt und verletzt ist, kann man sich einigeln und sich damit von den Wegen der Kommunikation abwenden – oder man reagiert wütend und schlägt im Wunsch, sich zu verteidigen, um sich. Beides kann das Gegenüber missverstehen. Ersteres als Desinteresse und Zweiteres als Angriff. In Wirklichkeit geschieht beides – je nach Charakter des Menschen – zu dessen eigenem Schutz. Schlägt uns so ein Verhalten im Streit entgegen, sollte es für uns also nicht mehr „Auge um Auge“ heißen, sondern „Was steht meinem Gegenüber da vor Augen?“, „Was belastet meinen Freund so sehr, dass er so reagiert?“
Der Tipp lautet hier also: Geh einen Schritt zurück. Gewinne Abstand. Versuche, den Streit nicht persönlich zu nehmen. Frage Dich, warum Dein Gegenüber wohl so reagiert, wie er oder sie das gerade tut.
Das Resultat: Entweder Du nimmst Deinem Gegenüber den Wind aus den Segeln oder Du selbst regst Dich zumindest nicht mit auf.

2. Wenn wir kommunizieren, verfolgen wir stets ein Ziel. Das passiert oft genug ganz unterbewusst, aber das Ziel ist immer da.
Egal, ob wir nach dem Weg fragen oder unserem Partner den allseits gefürchteten Satz „wir müssen reden“ entgegen schleudern – wir verfolgen damit ein Ziel. Bevor wir ein wichtiges Gespräch beginnen, sollten wir uns deshalb fragen, was wir mit dem Gespräch, das uns bevorsteht, erreichen wollen. Haben wir eigentlich gar kein Interesse mehr am Erhalt der Freundschaft oder Partnerschaft und suchen nur nach einem Grund für eine Trennung? oder geht es darum, Frieden zu schließen und wieder miteinander auszukommen? Wir müssen uns gegenüber ehrlich sein. Mit einem Ziel vor Augen kann es uns gelingen, ein Gespräch konstruktiv am Laufen zu halten.
Der Tipp lautet deshalb: Überlege Dir vorher, weshalb Du ein Gespräch beginnen willst. Und wann immer Du das Gefühl hast, dass das Gespräch eine andere Richtung nimmt, dann erinnere Dich an Dein Ziel und lenke wieder zurück.
Das Resultat: Du bekommst eher eine zufriedenstellende Antwort auf Deine Fragen und Du merkst schnell, ob Dein Gegenüber und Du dieselben Ziele habt.

3. Kommunikation lebt vor allem nonverbal und Smilies sind kein adäquater Ersatz für Mimik, Gestik und Tonlage.
Wir haben wie bereits erwähnt, viele Wege gefunden, Emotionen und Subtext auch in schriftlicher Form zu übermitteln. Wir betonen Dinge durch Schreibung in Großbuchstaben, in Gänsefüßchen oder einer bestimmten Schriftform (kursiv oder fett zum Beispiel); wir geben durch eine immer detailliertere Form der Emoticons Aufschluss über unsere Gefühle, wir nutzen Satzzeichen, um „einen Punkt hinter die Sache zu setzen.“, „das Ende offen zu lassen…“ oder „die Dringlichkeit hervorzuheben!“. Wir demonstrieren Desinteresse oder weniger negativ (man denke an Punkt 1) Zeitmangel durch das Weglassen von Zeichen, das Nutzen von Abkürzungen oder knappe Reaktionen. Dennoch kann all das (wie der letzte Satz zeigt) auch falsch verstanden werden.
Daher mein Tipp: Wenn es brenzlig wird; wenn es wirklich etwas zu klären gibt; dann reichen weder eine Textnachricht noch ein Telefonat. Dann ist die beste aber sicher auch schwerste Lösung ein Besuch, ein Gespräch von Angesicht zu Angesicht. Über 50% unserer Kommunikation läuft über unsere Mimik und Gestik; der Rest besteht primär aus Stimme und Tonfall. Manchmal reicht es deshalb sogar, sich nur in die Augen zu sehen und gar nichts zu sagen.
Das Resultat: Ein besseres Verständnis füreinander und die überraschend erfreuliche Botschaft „ich nehme mir Zeit für Dich, weil mir ein Gespräch mit Dir wichtig ist“.

Probiert diese drei „Life-Hacks“ mal aus. Es ist erstaunlich, was man an Ärger vermeiden kann, wenn aus einem Informationsaustausch echte Kommunikation wird – ein sich gegenseitig Mitteilen. Und noch ein letzter Gedanke dazu: Ich bin selbst sehr an die Social Media gebunden und schätze dieses Medium sehr, aber gerade jetzt in der Vorweihnachtszeit will ich Euch ermutigen, Smartphone, Tablet und Co öfter mal links liegen zu lassen und den Blick zu heben. Ihr wärt erstaunt, wie viele Menschen direkt neben Euch sind und wie gern sie mit Euch reden würden. Ich sah neulich eine Art „pädagogischen Werbespot“ zu diesem Thema. Dort stand am Ende sinngemäß: Sometimes you have to disconnect to find a connection. Manchmal müssen wir unsere Verbindung trennen – offline gehen – um eine andere Verbindung zu finden. Kluge Worte und eine ziemliche Herausforderung, wie ich finde.

In diesem Sinne: Ich hoffe, ihr hattet einen besinnlichen 3. Advent, gute Gespräche mit Euren Lieben und einen guten Start in eine weitere Adventswoche!

Sincerely,

the wingscriber pls sig

Mary Cronos

Autorin, Künstlerin, Podcasterin

Mary ist ein kreatives Chaos in Person. Neben ihrer Autorentätigkeit bietet sie ihren Kolleginnen und Kollegen auch Dienstleistungen wie Coaching und Beratung, Cover- und Werbedesign, Portrait- und Eventfotografie sowie Illustrationen an. 2019 startete sie darüber hinaus ihren Kreativpodcast Carpe Artes und zum 1.1.2020 Fakriro – die Messebühne für Selfpublisher.

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