Kurzurlaub nach Monaten der Isolation

Seit Monaten habe ich zum ersten Mal nicht nur zum Einkaufen oder für ähnlich nötige Aufwendungen mein Zuhause verlassen, sondern um mit meiner Mutter ihren Geburtstag auf möglichst schöne, aber sichere Weise zu feiern.

Und so führte uns unser Weg nach Eisenach, zum Rennsteig – und damit nah an die Heimat meiner Mutter. Wir hatten uns trotz pessimistischster Wettervorhersagen vorgenommen, viel zu wandern und vor allem die Natur zu genießen. Meinen noch immer schmerzenden, erschreckend untrainierten Waden nach sind wir diesem Vorsatz nachgekommen.

Und das, obwohl es uns Eisenach gar nicht so einfach gemacht hat:

Durch Einbahnstraßen und über Kopfsteinpflaster – Abenteuer fremde Stadt

Ich dachte ja immer, Berlin ist die Stadt der Baustellen, aber umgerechnet auf die Größe, steht Eisenach Berlin in nichts nach. Vor allem was die Geschwindigkeit von wechselnden Baustellen und neuen Verkehrsführungen angeht, kann Eisenach locker mithalten.

In den (mit An- und Abreise) sechs Tagen hier, haben wir viermal das Auto gebraucht und jedes Mal war die Straßenführung durch das Labyrinth an Einbahnstraßen wieder anders aufgelöst.

Und das natürlich stets auf Kopfsteinpflaster und Berg auf und Berg ab. Was für ein Spaß! Am lustigsten war es aber, meinem Navi dabei zuzusehen, wie es verzweifelt immer neue Routen suchte und ich es ein ums andere Mal enttäuschen musste, um dann einen Weg einzuschlagen, der laut originärer Straßenführung unmöglich war.

Woher hätte Trulla (mein Navi) denn auch wissen sollen, dass ich plötzlich eine Einbahnstraße in entgegengesetzter Richtung befahren darf? Etwas Mitleid hatte ich da schon mit ihr und ihrem verzweifelten „nach Möglichkeit bitte wenden“.

Der Aufstieg zur Wartburg – Das touristische Must Have

Kein Wunder, dass wir uns vornehmlich zu Fuß fortbewegt haben. Bergauf bekam ich zwar deutlich die bei mir fehlenden PS zu spüren, aber wenigstens konnten wir so jede Straße in jede Richtung nutzen.

Für unser erstes Abenteuer – am 70. Geburtstag meiner Mutter – hatten wir uns extra etwas „Kurzes, Schnelles“ herausgesucht: Den Aufstieg zur Wartburg (ohne Esel – es sei denn, man möchte mich als solchen zählen).

Ich wusste ja, dass meine Kondition unter den vielen ausgefallenen Events und anderen Verpflichtungen jenseits der eigenen vier Wände gelitten hat. Aber DAS … Ich hatte nicht damit gerechnet, dass meine Beine offenbar bereits jegliche Muskulatur zurückgebildet hatten. Meine Mutter jedenfalls hatte einen herrlichen 70sten. Immerhin war sie deutlich fitter als ihre 33-jährige Tochter. Was will man mehr?

Oben angekommen, genossen wir die herrliche Aussicht. Ich entdeckte auf dem Nachbarberg ein goldenes M und stellte erleichtert fest, dass mein Berg etwas niedriger zu sein schien.

Mein letzter Besuch auf der Wartburg ist locker zehn Jahre her, aber ich hab sie dennoch direkt wiedererkannt. Vor allem den Brunnen im ersten Innenhof mit seinem drachigen Wächter. Leider war uns die olfaktorische Kulisse rings um den Brunnen etwas zu authentisch.

Da waren das Burgcafé und der Burggarten einen Innenhof weiter doch deutlich angenehmer. Mein Highlight aus fotografischer und poetischer Sicht waren allerdings die weißen Tauben, die so klischeehaft „Friedenstaube“ schrien und zugleich um eine reichlich verzierte, alte Kanone herum gurrten. Schöner könnte man „Krieg und Frieden“ nicht in einem Bild festhalten und zugleich muss ich sagen, dass hier mit Kanonen nun mal auf Tauben und nicht auf Spatzen geschossen wurde.

Den Abstieg (hungrig, weil es am Nachmittag auf der Burg nur Kuchen gibt und keine Klöße) erspare ich Euch und mir in der Rekapitulation. Sagen wir einfach: Meine Mutter fühlte sich danach deutlich jünger und ich deutlich älter.

Von Wolfslöchern und Drachenschluchten – Die Action

Gegen die Tiere unseres nächsten Abenteuers sind Tauben und Spatzen übrigens ein Klacks.

Schon vor unserer Ankunft in Eisenach hatte ich die „Drachenschlucht“ auf der Karte entdeckt und war mir sicher, dass wir dort einige Zeit verbringen würden. Es war also klar, dass ich Yngwie mitnehmen würde (das war sowieso besser. Es ist immer wahnsinnig schwer, verlässliche, angstfreie Drachensitter zu finden). Unserem „Herbergsvater“ sei Dank, erweiterte sich unsere Wanderroute dann um die Landgrafenschlucht, die Wolfslöcher, die Hohe Sonne und den großen und kleinen Drachenstein zu einem ca 12-13-km-Marsch vom Tal bis zum Gipfel und wieder hinunter.

Absurderweise haben meine Muskeln bei diesem Trip sogar besser mitgespielt als auf unserer Wartburg-Wanderung. Wahrscheinlich, weil ich alle 5 Meter zum Fotografieren stehengeblieben bin.

Die andere Motivationshilfe waren die teils staunenden, teils lachenden Gesichter unserer Mitwanderer, die uns während unserer knapp 7-stündigen Tour begegneten. Sie hatten alle jede Menge Spaß mit Yngwie und vor allem am Drachenstein und in der Drachenschlucht waren alle sehr glücklich, nach langer erfolgloser Suche nun doch endlich einen echten Drachen gefunden zu haben. Vor allem all die Kids, die uns über den Weg liefen, staunten nicht schlecht.

Und Yngwie war natürlich total in seinem Element. Ich vermute, dass er den Trubel um seine Person so ganz ohne Messen und Cons auch ziemlich vermisst. Und zum Glück blieb es beim „Bad in der Menge“ anstelle eines Bades im Bach. Auch wenn er sich zum Posieren vor meiner Kamera so einigen Gefahren ausgesetzt hat. Aber so ist er nun mal: mutig und verwegen. Und klug genug, um zu wissen, dass ich eher meine Kamera ins Wasser fallen lassen würde als ihn (sie ist immerhin größtenteils wasserdicht).

In jedem Fall sind auf dieser Wanderung jede Menge schöne Fotos und auch ein paar Videos entstanden, denn unsere Wanderroute präsentierte sich nur von ihrer schönsten Seite und ich kann Euch allen nur wärmstens empfehlen, dort auf Yngwies Spuren zu pilgern. Ein Genuss für alle Sinne und ein gutes Training für so ziemlich jeden Muskel im Körper.

Vom modernen Lutherhaus zum altehrwürdigen Stadtschloss – Kultur für Anfänger

Unseren letzten vollen Tag wollten wir dann lieber etwas ruhiger angehen lassen und unsere Wunden lecken. Ihr werdet es kaum glauben, aber ich habe in diesem Jahr zum ersten Mal 9h am Stück geschlafen. WOW! Mal sehen, ob ich das nochmal schaffen werde. Ich hab da so meine Zweifel, muss aber zugeben, dass ich gern mehr davon hätte.

Trotzdem schreibe ich jetzt diesen Blogbeitrag, statt die letzte Nacht vor der Abfahrt nochmal zum Ausschlafen zu nutzen. Immer dasselbe mit dieser Mary. #SorryNotSorry

Diesmal dachten wir uns jedenfalls: Komm, wir brauchen noch etwas Kultur und Bildung und als evangelische Theologin kann ich doch nicht einfach am Lutherhaus vorbeilaufen. Ergo fing dort unser Bildungsprogramm an.

Luthers vier Wände waren uns allerdings recht schnell wieder los. Es ging vor allem um die Übersetzung und erste Herstellung der deutschsprachigen Bibel – und daran konnte ich mich noch gut genug aus Studienzeiten erinnern (und meine Mutter, die dereinst unfreiwillig mit mir mit paukte, auch). Außerdem war das ganze Haus innen so modern, wie es von außen mittelalterlich aussah. Von außen waren da diese hübsch-schiefen Fachwerkwände, die verzierten Fenster, die gusseiserne, verzierte Laternenhalterung. Innen war alles indirekt beleuchtet, mit Zwischendecken und neuen Wänden verkleidet und hinter Glas. Ein hochmodernes Museum, für das es sicher seine Berechtigung und Zielgruppe gibt. Aber wir waren auf der Suche nach den eher authentischen Spuren (zumindest optisch authentisch. Auf die olfaktorisch-authentischen Reize konnten wir wie gesagt doch ganz gut verzichten).

Unser zweiter Stopp führte uns dann vor die Pforten des Stadtschlosses, in dem neben der Touristeninformation auch ein Heimatmuseum auf Besucher wartete. Hier war es leerer und dafür so viel schöner.

Ich liebe es ja, wenn in Museen alte Räumlichkeiten nachgebildet werden. In diesem Museum gibt es ein altes Wohnzimmer, eine alte Küche und – unser absolutes Highlight – eine alte Apotheke. Ich hätte mir am liebsten meinen Laptop geschnappt, mich hineingesetzt und losgeschrieben.

Das ist übrigens ein Phänomen, dass auch die Drachenschlucht ausgelöst hat – wie könnte es anders sein? Aus diesem kleinen Urlaub für Kopf und Seele ist also ein Inspirationsurlaub geworden (und noch dazu ein Urlaub voller schöner, neuer Fotos). Die schönsten Bilder werde ich wie immer in Flickr in meinem Account hochladen. Schaut doch in Kürze nochmal vorbei, wenn Euch die hier im Beitrag nicht reichen sollten. Es wird sicher nicht lange dauern, bis alle Bilder online sind.

Diese hübschen Schmetterlinge habe ich gestern, am Sonntag, fotografiert – und damit nach diesem Bericht. 🙂 Wir haben auf dem Rückweg noch den Nationalpark Hainich besucht und das Wildkatzendorf Hütscheroda. Ein wunderbarer letzter Moment in Thüringen.

Wow! Ich hab es diesmal tatsächlich geschafft, direkt zu schreiben nach meinem wanderintensiven „Urlaub“. Wer hätte das gedacht? Die Lösung scheint zu sein: In der letzten Nacht im Urlaub den Text schreiben und nur Bilder zuhause bearbeiten. Das klappt dann halbwegs.

Ich weiß, dass ich mit persönlichen Infos zu mir, meiner Kunst und meinen Büchern während den Corona-Wehen etwas zurückhaltend war. Aber bei mir persönlich ist in dieser Zeit ja auch nicht viel geschehen. Die großen Abenteuer habe ich alle mit Fakriro und Sabrina Schuh bestritten. DORT findet ihr also jede Menge News.

Aber auch hier ist es bald wieder soweit. Dann kann ich Euch einen Termin für mein Houston Hall-Hörbuch verraten, wo, was und warum ich demnächst ein neues Livestreamformat haben werde und so einiges mehr.

 

Ich hoffe, ihr freut Euch auf die News. 🙂

 

Sincerely

Mary Cronos

Autorin, Künstlerin, Podcasterin

Mary ist ein kreatives Chaos in Person. Neben ihrer Autorentätigkeit bietet sie ihren Kolleginnen und Kollegen auch Dienstleistungen wie Coaching und Beratung, Cover- und Werbedesign, Portrait- und Eventfotografie sowie Illustrationen an. 2019 startete sie darüber hinaus ihren Kreativpodcast Carpe Artes und zum 1.1.2020 Fakriro – die Messebühne für Selfpublisher.

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