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Tag: Leben

Unendlich viel Leben

by Mary Cronos

Nach so viel Information, auch mal wieder etwas Nachdenklichkeit. Vielleicht kommt Euch ja das eine oder andere bekannt vor…

 

„Oh man, muss das sein? Ich hab gerade für eine Stunde unendliche Leben!“, hörte ich mich neulich sagen und musste direkt den Kopf über mich selbst schütteln.

Die Autorin in mir fragte sich, welcher Sinn hinter der Aussage „eine Stunde unendliche Leben“ stecken sollte. Die Theologin in mir fragte sich, wieso mir die unendlichen Leben in einem Spiel wichtiger sind als eine Stunde in meinem endlichen Leben.

Mal ehrlich. Ab und an lebe ich mein Leben, als hätte ich noch vier weitere Herzchen oben in meiner Menüanzeige, die automatisch meine verkorksten Lebensversuche wieder neu starten – ab dem letzten Speicherpunkt natürlich. Schließlich mache ich ja Backups.

In den letzten Wochen ist mir unglaublich viel Gutes widerfahren, während um mich herum Schicksalsschläge mir wichtige Menschen trafen. Und ich frage mich unweigerlich: Wann dürfen diese lieben Menschen wieder aufatmen – und wann kommt mein nächster Schlag?

Unser Leben hat eben kein Backup in einer Cloud, keinen Resetbutton und keine Ersatzleben – weder können uns unsere Freunde welche schicken, noch können wir sie dazukaufen. Wir haben nur dieses eine Leben und gehen All In. Aber wenn der Einsatz so hoch ist, sollten wir dann nicht auch so spielen?

Wenn James Bond im Kasino sitzt, alles auf eine Karte setzt und ihm zugleich ein Revolver unterm Tisch in die Rippen gedrückt wird, dann kommt das doch dem realen Leben relativ nah. Wenn wir in der Metapher des Spiels bleiben. Er spielt um sein Leben und das tun wir doch alle.

Wir wollen doch nur spielen. Und wir wollen gewinnen.

Einmal.

Das eine, entscheidende Mal.

Immer wieder.

Damit wir in ein neues Level aufsteigen. Ein Level, in dem alles besser ist – glauben wir. Aber jedes höhere Level bringt nicht nur mehr Power und Fähigkeiten, sondern auch einen stärkeren Levelgegner, härtere Rätsel und schwierigere Hindernisse.

Leben, das ist nicht das Ziel. Leben, das ist das Spiel. Und plötzlich ergibt die Weisheit einen Sinn: Der Weg ist das Ziel.

Wir nehmen an diesem Spiel, das Leben heißt, teil. Jeder Zug ist wichtig und doch lernen wir die Regeln erst nach und nach. Niemand hat sie uns vorher erklärt. Jede Chance und jeder Moment sind einmalig; etwas, das in der Art nie wiederkehrt. Also sollten wir das Beste daraus machen und nicht der Chance hinterhersehen und winken. Oder?

Was ab und an fehlt, sind Konzentration und Motivation. Und Power. Als würden wir ab und an gern auf die Pausetaste drücken wollen. Wir sind müde und unkonzentriert, aber unser Spiel läuft und läuft. Ein Stop ist nicht drin. Aber unsere Spielgeschwindigkeit können wir etwas anpassen. Auch wenn uns das vielleicht langsamer macht.

Wir sehen, wie andere Schummeln und ärgern uns. Wie unfair! Warum kommt der damit durch? Aber im Grunde ist es doch eigentlich egal. Jeder hat sein eigenes Spiel und wir liefern uns kein Wettrennen. Der Blick auf das eigene Spielfeld offenbart: unser Spiel ist ein anderes. Und wenn wir schon den anderen beim Spielen zusehen, sollten wir versuchen, dadurch in unserem eigenen besser zu werden. Und wer weiß: vielleicht ist unser Spiel auch ab und an für den Multiplayermodus geeignet.

Kennt den noch jemand? Oldschool mit Netzwerkkabel und Co?

Die ersten Multiplayergames waren ein echtes Highlight. Mein Favorit damals: Pokemon. Und nur, wenn man auch für Freunde gezielt Pokemon gefangen hat oder sich zu zweit einem Gegner gestellt hat, konnte man wirklich alle Aufgaben meistern und alle Pokemon fangen.

Vielleicht ist das ja in unserem Leben auch so. Manche Aufgaben sind nur im Teammodus lösbar. Andere sind im Team zumindest schneller zu meistern. Wir spielen unser eigenes Spiel, lernen unsere eigenen Regeln, aber manchmal sind unsere Spiele mit denen anderer kompatibel.

Das gilt es herauszufinden.

Ich habe das Glück, Freunde in meinem Leben zu haben, die meine Gedanken zuende denken und umgekehrt. Wir sind so kompatibel, dass wir offenbar die gleichen WiFi-Wellen haben. Wenn ihr auch solche Menschen in eurem Leben habt, dann hütet sie wie einen Schatz. Denn zwei Spiele zu finden, die miteinander so gut funktionieren, dass beide Spieler eine Verbesserung davon tragen, ist selten. So selten wie euer Leben selbst.

Ihr wisst schon, das endliche.

Ohne Ersatz und Reset.

In diesem Sinne: Carpe Diem! Nutze den Tag! Mach was aus dem Spiel, in dem du alles auf Sieg gesetzt hast.

Sincerely

Vom Leben gezeichnet

by Mary Cronos

Heute habe ich nur einen ganz kurzen Sonntagsgedanken für Euch.

Kurz, aber dafür nicht unbedingt leicht zu schlucken.

Es heißt oft, ein Mensch sei vom Leben gezeichnet.
Ich glaube, das stimmt nicht ganz.
Das Leben gibt uns Farben an die Hand, um uns, um unsere Leinwand bunt zu machen… zu bemalen und zu bezeichnen. Das Leben gibt uns Farben vor… vielleicht sogar Motive. Aber es zwingt uns nicht. Es zeichnet uns nicht. Wir sind keine passiven, willenlosen Leinwände. Wir sind unser eigenes Kunstwerk und unsere eigenen Künstler.
Ließe man alle Künstler der Geschichte das gleiche Motiv malen… erzählte ihnen dazu die gleiche Geschichte… so würde es doch jeder völlig anders malen. Der eine grell und dramatisch, der nächste verworren und verspielt, der dritte möglichst realistisch und dabei doch genauso subjektiv. Ein und dieselbe Erfahrung kann völlig unterschiedliche Reaktionen und Erkenntnisse mit sich bringen.
„Das Leben“ oder „das Schicksal“ im Allgemeinen zum Grund für die eigene Situation zu erklären, ist eine recht… entspannte Lösung. Denn es sagt, dass man keine Wahl hatte, dass es eben so kommen musste. Unsere Vergangenheit ist im Rückblick eine Erklärung für unser Handeln. Aber es ist im Vorab keine Bedingung. Als ich meine Gedanken dazu mit einer lieben Freundin teilte, stimmte sie nachdenklich zu und gab mir ein Beispiel, das es in sich hat: Zwei Schwestern haben eine Mutter mit einem starken Alkoholproblem. Die eine Schwester wächst auf und beginnt irgendwann, ebenfalls zu trinken. Wann immer sie darauf angesprochen wird, sagt sie „Wie könnte es anders sein? Schon meine Mutter hat getrunken. Es musste so kommen“. Die andere Schwester wächst heran und trinkt niemals zu viel und generell nur selten, weil sie niemals so enden will wie ihre Mutter. Für beide liegt die Erklärung in der Vergangenheit. Aber beide gehen vollkommen unterschiedlich damit um.
Das ist ein hartes Beispiel, denn so wie in dieser Geschichte, gibt es im Leben Herausforderungen, die das Potential haben, uns zu zerstören. Aber „Potential“ meint kein Muss. Unsere Vergangenheit schreibt uns nicht unsere Gegenwart vor und erst recht nicht unsere Zukunft. Unsere Vergangenheit schafft Erfahrungen in uns und wir sind es, die diese Erfahrungen bewerten müssen – um daraus zu lernen, um daran zu wachsen, um immer besser zu werden.

Das Leben zeichnet uns nicht. Es stellt die Voraussetzungen und die Umgebung für das Bild, das wir selbst von uns zeichnen.
Unser vergangenes Leben ist unsere gegenwärtige Inspiration beim zeichnen unserer Zukunft.
mc.

Sincerely

Zeit ist Geld! …Zeit mal Pause zu machen

by Mary Cronos

Zeit ist Geld und Geiz ist geil. Da wird man schnell geizig mit seiner Zeit. Aber geizen wir da nicht an der falschen Stelle? Im Bestreben möglichst viel möglichst schnell und effizient zu erledigen, bleiben wirklich wichtige Dinge auf der Strecke. Mir zumindest geht das so. An den wenigen Feiertagen im Jahr – so wie jetzt zu Ostern – haken wir Pflichtbesuche und mit Plattitüden gespickte Anrufe bei Verwandten und Freunden so schnell ab, wie wir sie auf unsere To-Do-Listen geschrieben haben. Wir bestellen lieber Online, als „ewig“ durch Geschäfte zu tingeln und mit Verkäufern zu diskutieren. Wir nutzen unser Navi, um die schnellste Route zu berechnen, statt andere nach dem Weg zu fragen. Werden wir krank, müssen ein paar Tabletten reichen und dann geht es weiter. Keine Zeit zum Anhalten, zum Ausruhen, zum Nachfragen oder Kontakte pflegen. Keine Zeit, keine Zeit!

Da komm ich mir vor, wie Alice im Wunderland, wenn sie dem Hasen begegnet, der nie Zeit hat. Unsere Welt wird täglich etwas schneller. Das hat sein Gutes und ich bin froh, nicht mehr auf Brieftauben oder reitende Kuriere angewiesen zu sein. Es hat aber auch seinen Preis und das ist unsere Zeit. Aber Moment. Irgendwas läuft da schief. Wenn inzwischen alles schneller geht, sollten wir doch eigentlich mehr Zeit haben. Warum wird unser Alltag dann immer hektischer und immer voller? Warum nutzen wir die gewonnene Zeit nicht besser? Nicht mit noch mehr Aufgaben, sondern mit Zeit für uns und Zeit für die, die uns wichtig sind?

happy easter coc s

Ich stelle heute viele Fragen und ich warne Euch, es wird noch schlimmer. Wer also nicht gewillt ist, einmal kritisch hinter seinen Lebensalltag zu blicken, sollte sich besser mit den ersten beiden Absätzen zufrieden geben und dem wünsche ich an dieser Stelle besinnliche Ostertage und Zeit. Allen anderen wünsche ich das auch. Euch aber lade ich ein, noch ein paar Anregungen und Fragen mehr in die nächste Woche mitzunehmen.

Es gibt vier Berufsgruppen, denen ich mich besonders nah fühle und so wende ich nun meine Fragen nach der Zeit und ihrem Wert vor allem auf diese an: Ärzte, Journalisten, Pfarrer und Künstler. Fühlt euch eingeladen, diesem Beispiel folgend Euer Umfeld und auch Euren eigenen Job zu betrachten.

„Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie ihren Arzt oder Apotheker.“ Von Google war nie die Rede. Dennoch gibt es immer mehr Menschen, die – sollte es ihnen nicht gut gehen – das Internet um Rat fragen. Der Vorteil und Nachteil in einem: Man findet immer das, was man sucht. Das Resultat sind wenig qualifizierte Vorabdiagnosen. Ich bin als Tochter eines klassischen Schulmediziners und Hausarztes aufgewachsen. Ihr wisst schon: Ein Arzt, dem die Patienten vertrauen. Ein Arzt, wie man ihn inzwischen vor allem in Fernsehserien oder Büchern findet, aber nur noch selten in der Realität. Einer, der sich Zeit nimmt, der Geduld hat, der seinem Patienten zuhört, weil er ihn ganz genau kennt und weiß, das ihm das wichtig ist. Zeit. Das wichtigste Medikament in jeder Therapie. Zeit und Zuwendung. Immer häufiger erlebe ich, wie Patienten heute zu Kunden werden, wie sie abgefertigt werden mit Standardlösungen. Es gibt aber keine Standardlösungen in der Medizin. Jeder Mensch ist anders. Das einzige Mittel, das zumindest jedem hilft, ist die Mischung aus Zeit und Zuwendung. Das Gefühl, ernst genommen zu werden und Zeit zu bekommen, um wieder zu genesen. Aber gerade die Zeit scheint auch das zu sein, das den Ärzten fehlt.

Und nicht nur Ärzten. Auch dem Journalismus macht die neue Geschwindigkeit zu schaffen. „Langsame“ Medien wie Tageszeitungen oder Magazine kämpfen ums Überleben. Egal was sie melden oder worüber sie berichten, Facebook und Google haben es stets vorher gewusst. Um noch mithalten zu können wird die fundierte Recherche ersetzt durch die Suche nach möglichst spektakulären Schlagzeilen. Onlinemagazine finanzieren sich über Werbung statt Inhalte. Die Journalisten, die täglich ihr Leben riskieren auf der Suche nach der Wahrheit, werden rar. Die Reporter ohne Grenzen stoßen an ihre Grenzen.

Für Ärzte sollte der Patient im Mittelpunkt stehen und für Journalisten die Wahrheit, die Botschaft, die zu erzählen ist. Zwei Dinge, die auch für einen Geistlichen das Zentrum darstellen sollten. Während meines Studiums wurde mir deutlich, wie schwer es heute ist, Mensch und Botschaft in diesem Zentrum zu halten. Bürokratie, Geldmangel, Wettbewerb und der Wunsch, „in“ zu sein, nehmen viel Platz ein. Dabei ist gerade das „Zeit für seine Mitmenschen Nehmen“ etwas, das den Pfarrer auszeichnen sollte.

Ich nehme an, ich könnte ähnliche Auswirkungen auf jede Berufsgruppe beschreiben. Vor allem in Bereichen, in denen Menschen mit Menschen arbeiten. Auf der Buchmesse vor einer Woche hörte ich mir einen Vortrag für Illustratoren an, die selbstständig arbeiten und davon leben wollen. Einmal mehr begegnete mir eine Grafik: Ein Dreieck, an dessen Spitzen die Worte „Qualität“, „Zeit“ und „Geld“ standen. Die Botschaft hinter diesem Dreieck ist simpel: Es gehen immer nur zwei der drei Spitzen gleichzeitig. Wer Qualität und Schnelligkeit will, muss diese Leistung entsprechend bezahlen. Wer Qualität möchte und nicht viel zahlen kann oder will, muss dafür länger warten. Und wer nicht viel Geld investieren möchte und ebenso wenig Zeit, der darf nicht mit Qualität rechnen. Wendet man dieses Diagramm auf meine Beispielberufe oder einfach auf seinen eigenen Alltag an, dann sieht man gleich, auf welchen zwei Spitzen unsere Gesellschaft heute ruht. Zeit ist Geld und Geiz ist geil. Schnell und billig ist die Devise. Was aber bleibt da auf der Strecke, wenn wir alles vor allem schnell und günstig wollen?

Richtig. Die einsame dritte Spitze des Dreiecks. Aber ich meine nicht nur die Qualität von Produkten. Ich rede auch von der Qualität von Beziehungen und von unserer ganz eigenen Lebensqualität. Wir haben mehr Zeit als früher. Wir sollten sie in Wert und Qualität investieren. Der einzige Zeitdruck, den wir haben sollten, ist der Tod, der einen jeden von uns erwartet, dessen Stunde wir aber nicht kennen und der unserem Leben so Werte und Prioritäten verleiht. Wir müssen uns entscheiden, was wir mit unserem Leben anfangen wollen, wofür wir hier sind. Denn unsere Zeit ist begrenzt durch diese ultimative Deadline.

Wofür also leben wir? Um mehr und schneller im Laufrad zu strampeln? Was wollen wir wirklich? Wofür machen wir das alles? Für unsere Kinder? Für die nächste Generation? Das sind sehr gute Gründe. Wichtige Gründe. In jedem Fall besser, als ziellos in den Tag hinein zu leben. Aber sollte das wirklich alles sein? Wenn jeder nur für das lebt, was noch kommt, wer lebt dann im Jetzt? Wenn jeder nur durch die Gegenwart hetzt, um in Zukunft ein besseres Leben zu haben, wer kann sich dann glücklich schätzen mit dem, was er hat?

In diesem Sinne: Nutzt den morgigen freien Tag (und sollte er für Euch nicht frei sein, dann den nächsten freien Tag), um etwas Zeit in die Qualität Eures Lebens und Eurer Beziehungen zu stecken. Das wünsche ich Euch.

Sincerely

the wingscriber pls sig