Tierischer Untermieter

Wir haben eine Untermieterin. Und das offenbar schon seit Wochen. Diese reizende Stockentendame hat es sich von uns unbemerkt in unserer grünen Balkondeko gemütlich gemacht. Wir haben sie Erna getauft.

Als ich sie (höflich) überzeugen wollte, sich eine andere Wohnung zu suchen, war sie ziemlich renitent, um nicht zu sagen: zickig. Ihr Verhalten war dabei ausgesprochen widersprüchlich. Sie war nicht aggressiv, aber dafür ausgesprochen stur. Sie wollte den Balkon nicht verlassen.

Es dauerte nicht lange, da machte es Klick. Sie konnte nicht mehr gehen. Sie hatte eine Familie dabei. Eine noch ungeborene, kleine große Familie: Unter einer der Koniferen, in einem flauschig weichen Nest lagen acht Eier.

Also schön. Challenge Accepted: Wir haben also nicht eine neue Untermieterin, sondern bald neun. So konnten wir die werdende Mutter doch nicht vor die Tür setzen. Also schlossen wir einen Untermietvertrag ab, riefen den NABU an und ließen uns beraten (nicht füttern, nicht nerven, einfach in Ruhe lassen. Erna macht das schon) und harrten der Dinge, die da kommen sollten.

Und es dauerte gar nicht mehr lang – was ein klares Indiz dafür war, wie lang Erna schon unbemerkt mit uns lebte -, da hörten wir auf einmal lauter munteres Geschnatter vom Balkon …

Natürlich riefen wir sofort unsere Helfer vom NABU an, um Mutter und Kids schnellstmöglich zur nächsten Wasserstelle zu bringen (in Köpenick ist zumindest das kein großes Problem). Aber Erna hätte ruhig früher darüber nachdenken können, dass es denkbar schlecht ist, acht flugunfähige Küken auf einem Balkon in der vierten Etage auf die Welt zu setzen.

Und dann haut sie auch noch auf den Nachbarbalkon ab (deren Besitzer gerade im Urlaub sind). Wohlweislich hatten wir alle Spalten zwischen den Balkonen abgedichtet. Wären die kleinen ihrer Mutter rüber gefolgt, wären sie dort elendig verhungert.

Stattdessen konnte unser NABU-Retter die ganze Familie einsammeln und wir brauchten sie wohlbehalten zum Wasser. Dabei hab ich zwei drei Kleinigkeiten gelernt:

1. Die Entenküken müssen schnellstmöglich zum Wasser. Sie ernähren sich ein paar Stunden von den Resten ihrer Eierschalen (die waren übrigens restlos verputzt), aber dann brauchen sie etwas Richtiges zu futtern.

2. Frischgebackene Entenmütter werden sehr gern von Erpeln vergewaltigt. Man sollte deshalb gut aufpassen, wo man so eine frischgebackene Mutter aussetzt. Warum das so ist? Enten können sich nur im Wasser fortpflanzen. Wenn eine Entendame „nein“ sagen will, fliegt sie einfach davon. Aber eine Mutter mit – in unserem Fall acht – Küken würde nicht davonfliegen. Ergo ist sie ein leichtes Opfer.

3. Erna ist wahrscheinlich zum ersten Mal Mutter geworden. Und wenn eine Entenmutter gute Erfahrungen macht, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sie im Folgejahr den gleichen Ort aufsuchen wird. 

Wir sollten also im Mai 2020 am besten schonmal einen guten Platz für sie vorbereiten und ein paar Pflanzen in Sicherheit bringen (offenbar haben Entenmütter genauso Heißhungerattacken wie Menschenmütter – dem Zustand unserer Grünpflanzen nach zu urteilen).

Also. Wir sehen uns 2020, Erna! Pass gut auf Dich und deine Family auf bis dahin!

 

Sincerely

Mary Cronos

Autorin, Künstlerin, Podcasterin

Mary ist ein kreatives Chaos in Person. Neben ihrer Autorentätigkeit bietet sie ihren Kolleginnen und Kollegen auch Dienstleistungen wie Coaching und Beratung, Cover- und Werbedesign, Portrait- und Eventfotografie sowie Illustrationen an. 2019 startete sie darüber hinaus ihren Kreativpodcast Carpe Artes und zum 1.1.2020 Fakriro – die Messebühne für Selfpublisher.

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